Für viele im Süden ist Stuttgart die Stadt, in die man fährt, um etwas zu erledigen. Behörde, Konzert, Anschlusszug. Dabei ist der Kessel die einzige deutsche Großstadt, in der Weinberge bis in Wohngebiete reichen und Treppen als Verkehrsweg gelten. Beides erschließt sich nicht an einem Nachmittag.
Stuttgart behandelt Treppen als Verkehrsweg
Wer aus dem ländlichen Baden-Württemberg oder aus Bayern anreist, kennt die Landschaft und sucht in der Stadt das Gegenteil. Stuttgart bietet dieses Gegenteil nur zur Hälfte an. Die Stadt liegt in einem Talkessel, und ihre Topografie ist keine Kulisse, sondern Infrastruktur.
Die Stadtverwaltung zählt mehr als 400 Stäffele, also öffentliche Treppenanlagen im Stadtgebiet. Wer sie alle erklimmen wollte, müsste rund 20 Kilometer Stufen bewältigen. Für Unterhalt und Sanierung dieser Treppen gibt die Stadt etwa 300.000 Euro pro Jahr aus.
Diese 300.000 Euro sind der eigentliche Beleg. Eine Stadt, die jährlich einen sechsstelligen Betrag in Treppen investiert, behandelt sie als Verkehrsinfrastruktur. Wer aus einer Gemeinde in der Ebene kommt, unterschätzt genau das. Rund 20 Kilometer Stufen auf mehr als 400 Anlagen bedeuten im Schnitt gut 50 Meter Treppe pro Aufstieg, und was auf der Karte nach zehn Minuten aussieht, dauert deshalb regelmäßig zwanzig.
Das erklärt, warum Stuttgart zu Fuß anders funktioniert als jede Stadt in der Ebene. Das Grüne U, ein acht Kilometer langer Grünzug, der sich in U-Form von der Innenstadt bis zum Höhenpark Killesberg zieht, macht denselben Punkt in horizontaler Form: Man kommt weit, ohne eine Straße zu überqueren.
Wie lange lohnt sich die StuttCard?
Die Preisstruktur der Stadt gibt die Antwort vor. Die StuttCard für 24 Stunden kostet 25 Euro und öffnet 27 Museen und zahlreiche Freizeiteinrichtungen. Die StuttCard PLUS für 72 Stunden kostet 55 Euro und enthält zusätzlich die freie Fahrt im gesamten VVS-Netz.
Die Karte ist damit erkennbar auf Länge kalkuliert: Drei Tage mit Nahverkehr kosten 30 Euro mehr als ein einzelner Tag ohne. Der dritte Tag ist die Stelle, an der sich dieser Aufpreis rechtfertigt, und eine passende Unterkunft Stuttgart in Kesselnähe entscheidet, ob er tatsächlich genutzt wird oder als bezahlte Restlaufzeit verfällt.
Dazu kommt eine Eigenheit, die Tagesgäste regelmäßig überrascht. Das Porsche Museum kostet 15 Euro Tagesticket und öffnet dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr, montags ist Ruhetag. Wer den Montag als Anreisetag plant, verliert damit ohne Vorwarnung einen der Hauptgründe seiner Reise.
Zwei große Häuser pro Tag sind das Maximum
Das Mercedes-Benz Museum zeigt über 160 Fahrzeuge und mehr als 1.500 Exponate auf 16.500 Quadratmetern. Der Rundgang beginnt in der neunten Etage und arbeitet sich nach unten durch mehr als 135 Jahre Automobilgeschichte ab 1886. Zwei Stunden sind dafür knapp gerechnet, drei sind realistisch.
Ganz anders die Wilhelma, die nach Angaben des baden-württembergischen Finanzministeriums fast 1.200 Tierarten und mehr als 8.500 Pflanzenarten und -sorten beherbergt. Zoologisch-botanische Gärten dieser Doppelform gibt es in Deutschland kaum.
Die StuttCard deckt insgesamt 27 Museen ab, was rechnerisch bedeutet, dass niemand sie ausschöpft. Sinnvoll ist deshalb die umgekehrte Betrachtung: Zwei große Häuser pro Tag sind das Maximum, wenn man sie tatsächlich ansehen will, und damit ist die Karte ab dem zweiten Tag ausgereizt.
Am regionalsten wird es außerhalb der Museen. Auf den Weinwanderwegen Stuttgarts lassen sich auf vier Routen insgesamt 39,7 Kilometer wandern, verteilt auf Degerloch, Rohracker, Bad Cannstatt, Hedelfingen und die Lagen um Obertürkheim, Uhlbach und Rotenberg, mit über 22 beteiligten Weingütern. Das ist Landwirtschaft im Stadtgebiet, und für Leser aus dem Umland der überraschendste Teil der Stadt.
Zwei Prüfungen vor der Buchung
Der Unterschied zwischen Tagesausflug und Aufenthalt liegt in Stuttgart nicht im Programm, sondern in der Höhenmeterbilanz. Ein Tag reicht für die Innenstadt und ein Museum. Zwei Tage reichen für ein Museum und einen Weinwanderweg. Drei Tage reichen dafür, die Stadt von oben gesehen zu haben.
Wer den Aufenthalt plant, sollte deshalb zuerst den Ruhetag seines wichtigsten Museums prüfen und danach entscheiden, ob die 72-Stunden-Karte gegenüber der Tageskarte überhaupt Sinn ergibt. Diese zwei Prüfungen kosten fünf Minuten und verschieben das Programm oft um einen ganzen Tag.







